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 Fotografien: Caroline Bollig ©





Michael Stolls Arbeiten lassen sich an der Schnittstelle von Kunst und Architektur verorten und sind stets mit einem kritischen Impetus versehen. Sein aktuelles Projekt befasst sich mit dem Thema der Flucht.

Im Jahr 2016 überschritt die Zahl der Flüchtlinge weltweit erstmals die 60 Millionen Marke: Ausgelöst durch Krieg, Gewaltherrschaft und Armut seien Ende 2016 65,6 Millionen Menschen auf der Flucht, konstatiert das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Auch in Europa rückt die Thematik durch gestiegene Flüchtlingszahlen nicht nur ins Bewusstsein der Menschen sondern auch auf die politische Agenda, obwohl nur die absolute Spitze des Eisbergs - 722.370 Personen, laut Bundesinnenministerium - 2016 tatsächlich in Deutschland Asyl beantragte.

Michael Stolls Installation nähert sich vielschichtig dem Thema der Flucht. Mit dem Versuch einer ganzheitlichen Perspektive werden Fluchtgründe, -Routen und -Stationen in den Blick genommen. Gleichzeitig wird aber auch der Schlusspunkt der Flucht problematisiert: Das Ankommen. Die Hoffnungen und Erwartungen der Geflüchteten stehen dabei häufig in scharfem Kontrast zur Realität.

Als roter Faden zieht sich durch die verschiedenen Elemente der Installation die Diskrepanz zwischen Masse und Individuum, die Fragen aufwirft: Welches Individuum steht hinter der Verwaltungsnummer? Wie passt das Einzelschicksal in standardisierte Formulare? Wo bleibt Privatssphäre in Massenunterkünften? Wer interessiert sich für die ganz persönlichen Fluchtgeschichten? // L. Lydorf